Zu den Fenstern will der Verfasser nur einige Anregungen geben. Die gute Wärmedämmung einer Außenwand nützt wenig, wenn durch allerlei Ritzen und Fugen an den Fenstern und Rolladenkasten und durch die Glasflächen ein Vielfaches der Wärme verloren geht, die die Wand durchläßt. Leider muß man immer wieder die Beobachtung machen, daß die meisten Fenster, vor allem in Neubauten, schlecht schließen. Dies liegt häufig an der Verwendung zu jungen Holzes, an ungenauer Arbeit, an zu schwachen Holzabmessungen und ungeeignetem Beschläg. Die „Ausstopfung“ zwischen Mauerwerk und Rahmen fehlt meist oder ist mangelhaft ausgeführt, so daß auch dort ein Luftspalt entsteht, weil der Putz am Holz durch das Arbeiten des Holzes nie dichtet.
Mit dem Kastendoppelfenster wird der Luftwechsel durch undichte Fugen etwas gemildert, man erkauft den Vorteil aber durch die vollständige Verdoppelung des Aufwandes, und auch die Benützer müssen stets zwei Fenster bedienen, putzen und unterhalten. In Zukunft wird man sich aber schon des Arbeitsaufwandes, der Beschläge u. dgl. wegen einen solchen Doppelaufwand nicht leisten können, wenn die gleiche Wirkung anders einfacher zu erzielen ist (Bild 85).
Das Verbunddoppelfenster ist schon eine Verbesserung in diesem Sinne. Das Hauptbeschläg wird nur einmal gebraucht, und man hat nur ein Fenster zu bedienen, allerdings immer noch zwei Scheiben zu putzen, weil zwischen den beiden Scheiben die Luft wechseln und damit Feuchtigkeit und Staub eindringen und Schwitzwasser sich niederschlagen kann. Dieser Putzmöglichkeit wegen müssen also zwei Fensterrahmen gemacht und mit entsprechendem Beschläg ineinander befestigt werden.
Da Cammerer (1, Seite 383) feststellt, daß bei mäßigem Wind das Verbundfenster dem Kastenfenster im Wärmedurchlaß etwa gleichzusetzen ist, verdient zunächst das Verbundfenster den Vorzug. Trotzdem weisen die Doppelfenster noch den drei-bis vierfachen Wärmedurchgang gegenüber einer guten Wand auf. Der Heizung wegen lohnt es sich demnach, Verbesserungen zu suchen.
Zunächst müssen die Fugen dicht werden. Was liegt näher als eine elastische Leiste aus Buna, Oppanol, Filz oder federnden Metallbändern einzulegen, wie dies bei Kühlraumtüren u. dgl. üblich ist. Die Kohleersparnisse wiegen den geringen Einsatz solcher Stoffe auf. Man verzichtet dabei auf viele Fälze und dichtet einen Falz gut. Elastische Dichtungen wirken aber nur einwandfrei, wenn sie genügend angepreßt werden. Man muß deshalb Beschläge wählen, die mit Sicherheit einen Anpreßdruck ausüben und deren Anpressung möglichst ver- oder einstellbar ist. Zur gleichmäßigen Verteilung des Anpreßdruckes müssen die Fensterrahmen biegesteif sein, d. h. man darf vor allem bei großen Fenstern keine zu flachen Querschnitte wählen (Bild 86).
Weiterhin muß es gelingen, mit einem Fensterrahmen auszukommen und auch der Hausfrau das ewige Putzen von vier Glasflächen zu ersparen. Man kann nämlich die beiden Glasscheiben am Rand dicht mit einer Leiste verkleben, so daß Glashohlplatten entstehen *10. Verschließt man den Hohlraum in trockener Luft, so können die Scheiben sich innen nie beschlagen und auch nicht blind werden. Solange man die Glashohlplatte noch nicht fertig beziehen kann, genügt die Einlage eines Holzrähmchens mit Dichtungsstreifen zwischen normalen Glasscheiben, wenn der übrige Rahmen so gebaut ist, daß die Scheiben gegen das Rähmchen gepreßt werden können. Der Wärmedämmung wegen darf der Scheibenabstand nicht zu gering sein. Im kalten Klima können auch drei Scheiben miteinander verbunden werden. Die Glasindustrie sieht keine technischen Schwierigkeiten für die Herstellung solcher Platten und hat den Gedanken im Thermoluxglas schon verwirk-licht. Über die Glashohlplatte führt übrigens auch der Weg zum rahmenlosen Fensterflügel.
Man kann also das Doppelfenster mit einem Rahmen bauen und so Arbeit und Beschläge sparen. Unnötige Sprossen fallen weg. Wieder ist die Normung Voraussetzung für die Verwirklichung in großem Umfang. Kitt ist für den Einbau solcher Doppelscheiben ungeeignet, man wird vielmehr auch hier elastische Streifen einlegen und die Scheibe festschrauben, so daß sie leicht auswechselbar wird.
Die Befestigung und Dichtung der Fensterrahmen an den Außenwänden muß verbessert werden. Der gemauerte Anschlag ist zu unregelmäßig und zu wenig maßhaltig. In manchen Gegenden, in denen handwerkliche Sorgfalt zu Hause ist, werden deshalb Fenstergewände aus Kunststein versetzt und die Pfeiler dagegen gemauert. Die wetterbeständige steinerne Fensterbank ist der sonst üblichen, seitlich im Putz nie haltenden Blechabdeckung weit überlegen (Bild 87). Die Fensterrahmen passen und lassen sich an den glatten Steinflächen einwandfrei dichten und in einbetonierten Gewindehülsen gegen den Anschlag sog- und druckfest anschrauben. Die Fenstergewände und -bänke werden bei Massenfertigung billig und ihr Versetzen erfordert weniger Facharbeit als das Anputzen einer Fensterleibung oder -rahmung. Soweit man die durch Schwerbetonsteine entstehende Kältebrücke nicht innen abdämmen kann, wird man Fenstergewände aus Hartporenbeton oder Porenklinker (aus Glaukonit gebrannt) verwenden (Bild 88) und sie wie die zugehörigen Wände außen mit einer 3 bis 4 mm dicken Spritzhaut überziehen. An Wandplatten können Fenster unmittelbar angeschlagen werden, da sie maßhaltig sein müssen.
In der weiteren Entwicklung wird man mehr zum Metall- oder Kunststoffenster kommen, um Holz und Schutzanstriche zu sparen. Nach den Feststellungen von Neufert (1) stehen diese Fensterarten wärmetechnisch dem Holzfenster kaum nach. Die Doppelscheibe vereinfacht auch hier die Rahmen, für die Hohlprofile bei größerer Steifigkeit weniger Baustoff erfordern als die bis jetzt verwendeten Sonderwalzprofile, die vor allem keine Verwindungssteifigkeit geben (Bild 89). Stahlhohlprofile lassen sich aus Bandblechen walzen und maschinell zuschweißen, bei Leichtmetall und Kunstharz werden sie aus der Strangpresse herausgedrückt. Ein zähes Kunstharz wäre der geeignetste Baustoff für Fenster, weil es form- und wetterbeständig und ein schlechter Wärmeleiter ist.
Das Fenster muß heute zusammen mit dem Sonnenschutz betrachtet werden, der möglichst die Lüftung nicht behindern soll. Hölzerne Fensterladen mit genügend Luftschlitzen und Rolladen bei genügend dicken Wänden sind geeignet, wobei die Rolladenkasten nach innen wärmedicht abgeschlossen sein müssen.
Dichte Fenster bedingen außerdem eine Neuregelung der Lüftung im Winter, die seither durch die Fugen und Ritzen je nach Wind- und Wärmeunterschieden, ohne Kontrolle vor sich ging. Der Mensch braucht Zufuhr frischer, feuchter Luft, und zwar möglichst zugfrei und nach Bedarf regelbar. Klimaanlagen können wir uns allgemein nicht leisten, wohl aber regelbare Zuluftschlitze unter den Fensterbänken, wie in Schweden üblich (Bild 90), und Abluftschlitze an der Decke innen, die an den Schornstein angeschlossen sein können.
Das Wendeflügelfenster hat schon Vorteile gegenüber den normalen Drehfenstern. Die Erfahrungen im Fahrzeugbau verweisen jedoch auf das Versenkschiebefenster (Bild 91), das ganz oder zu zwei Drittel seiner Höhe versenkt werden kann, und das weder Vorhänge noch Blumen, noch den Innenraum beeinträchtigt. Vielleicht gelingt es, hierfür unter Verwendung der Doppelscheibe eine genügend einfache und betriebssichere Lösung zu finden, die auch bei schwachen Wänden brauchbar ist, so daß es für die allgemeine Verwendung genügend sparsam wird. Zum Putzen müßte im Gleitrahmen ein Klapp- oder Wenderahmen eingebaut sein.
*10 Vom Verfasser schon 1940 vorgeschlagen. Neuerdings von der amerikanischen Libbey-Owens Fort Glass Company als „Thermoplane“ hergestellt
